Bücher

Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne.
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Jean Paul

Samstag, 14. Oktober 2017

[Rezension] Harry Bingham - Fiona - Als ich tot war

Kurzbeschreibung:
"Sie ist wirklich eine Spitzenpolizistin. Die Ausbildung zur Undercover-Agentin hat sie als Beste absolviert. Natürlich. Doch keiner weiß, warum sie so mühelos in andere Rollen schlüpfen kann. Keiner weiß, womit ihr Vater sein Geld verdient. Keiner weiß, was für ein Mensch Fiona Griffith ist."

Fazit:
Fiona und ich haben uns schwer getan.

Das lag zum einen an Fiona als Person: Sie ist beileibe kein einfacher Charakter und das nicht nur für ihr Umfeld, sondern auch für den Leser. So richtig weiß Fiona nämlich gar nicht, wer sie ist, nur, dass sie nicht so ist wie andere. Deshalb bekommt sie im Laufe der Handlung auch Probleme sich selbst von ihrer Undercover-Identität abzugrenzen bzw. fühlt sich im Leben der Fiona Grey am Ende wohler, als in ihrem eigenen.

Fionas Problem rühren vom Cotard-Syndrom her, einer sehr seltenen aber dennoch real existierenden Krankheit, bei der sich der Patient im Extremfall selbst für tot hält. Auch Fiona hat in ihrer Vergangenheit eine Zeit in der Psychiatrie verbracht. Sie weiß - meistens zumindest - dass sie lebt, aber was sie wie, wo und warum fühlt und warum Menschen so agieren, wie sie es tun - das ist oft genug ein Rätsel für sie. Dass macht ihren sowieso eigenwilligen Charakter auch mitunter so anstrengend, dass man das Buch zwischendurch beiseite legen muss.

Das andere, weshalb ich mit "Fiona - Als ich tot war" so meine Schwierigkeiten hatte, war die Handlung. Im Grunde geht es um einen Fall, der ungeahnte Dimensionen annimmt und so das ganz Buch einnimmt. Das ist nicht schlimm. Aber streckenweise wird die Handlung dann sehr langatmig. An anderen Stellen wiederum ist es mitreißend und spannend. Möglicherweise hätte eine Straffung der Ermittlungen oder etwas weniger Detailverliebtheit die Langatmigkeit nehmen können.

Dennoch kann ich nicht sagen, dass mir das Buch nicht gefallen hätte: Fiona ist schon etwas Besonderes und auch die anderen Charaktere und die Handlung sind gar nicht übel, aber an der Langatmigkeit, die zwischendurch aufkommt, hätte man etwas ändern sollen.

Harry Bingham
"Fiona - Als ich tot war"
ISBN: 978-3-8052-0016-5
erschienen im Wunderlich Verlag

[Rezension] Kristen Proby - Eine Prise Liebe

Kurzbeschreibung:
"Das Restaurant Seduction ist Camis Ein und Alles. Gemeinsam mit ihren vier Freundinnen hat sie es zu einem Hotspot gemacht. Ihre ganze Leidenschaft steckt sie ins Seduction - bis ihre erste große Liebe nach Portland zurückkehrt. Seit Cami denken kann, ist sie in Landon verliebt. Als er nach seinem Highschool-Abschluss als Navy-Pilot ins Ausland ging, blieb sie mit gebrochenem Herzen zurück. Nun ist sie fest entschlossen, ihm auf keinen Fall ein zweites Mal zu verfallen. Doch Landon mit seinen starken Armen und seinem sanften Blick macht es ihr schwer, ihm zu widerstehen."

Fazit:
"Eine Prise Liebe" ist der zweite Band der Reihe um die fünf Inhaberinnen des Seduction. Nachdem in "Für Happy Ends gibt's kein Rezept" Addie ihren Traummann gefunden hat, war am Ende des Buches schon klar, dass es im zweiten Band um Cami und Landon gehen würde.

Der erste Band hat mich sehr mitgerissen, was vor allem an Addies humorvollen Charakter lag. Leider geht der Cami etwas ab, wirkt sie doch ein wenig blass nach ihrer Wirbelwind-Freundin. Prinzipiell dreht sich der Großteil des Buches nur um Camis Angst, dass Landon Portland vielleicht irgendwann wieder verlassen will, was mir auf lange Sicht ein wenig dünn ist.

Nichts desto trotz ist der Lesefluss gut und die Handlung unterhaltsam und amüsant. Ein typischer Liebesroman, aber leider ohne das Besondere, dass ihn hervorstechen lässt.

Allerdings erfährt man auch am Ende von "Eine Prise Liebe", welche der Freundinnen als nächstes auf den Mann ihrer Träume treffen wird und das verheißt dann wieder eine ganz andere Unterhaltung aufgrund des einzigartigen Charakters der Protagonistin.

Insgesamt ist "Eine Prise Liebe" ganz nett für zwischendurch, aber mehr leider nicht.

Kristen Proby
"Eine Prise Liebe"
ISBN: 978-3-95649-714-8
erschienen bei mtb

Freitag, 13. Oktober 2017

[Rezension] Karen Sander - Bald stirbst auch du

Kurzbeschreibung:
"An der Universität Liverpool gibt Profilerin Liz Montario einen Workshop für die besten Nachwuchsermittler Europas: Es geht um Cold Cases. Zoe Fischer, die Liz aus ihrer Zeit bei der Mordkommission Düsseldorf kennt, präsentiert zwei ungelöste Fälle, die in das Tatmuster eines berüchtigten Serienmörders passen könnten: Jeremy Dunn machte Furore mit Kunstwerken, gemalt mit seinem eigenen Blut. Angeblich. Tatsächlich ließ Dunn junge Frauen bei lebendigem Leib ausbluten.
Liz hat Zweifel an Zoes Theorie, denn "der Schächter" sitzt seit Jahren im Gefängnis. Beide wissen nicht, dass der Mörder längst wieder zugeschlagen hat, und zwar ausgerechnet in Düsseldorf. Und Kriminalhauptkommissar Georg Stadler ahnt nicht, wie gefährlich der Mann ist, den er jagt."

Fazit:
"Bald stirbst auch du" ist der vierte Fall der Reihe um Liz Montario und Georg Stadler. Den Auftakt von Karen Sanders Reihe "Schwesterlein, komm stirb mit mir" hatte ich gelesen, die beiden nachfolgenden Bände sind aber irgendwie an mir vorbei gegangen.

Aufgrund dessen hatte ich anfangs leichte Orientierungsschwierigkeiten, da sich Liz mittlerweile in England befindet, dort auch einen Freund und ein Haus hat. Da ich sie in Düsseldorf verlassen hatte, benötigte ich einen Moment, danach war es aber kein Problem mehr. Entsprechend lässt sich "Bald stirbst auch du" auch problemlos ohne Vorkenntnisse lesen, schöner ist es wegen der privaten Entwicklungen natürlich, die Protagonisten von Beginn an zu begleiten.

Der Lesefluss ist durchweg sehr gut, was an der Kombination aus kurzen Kapiteln, regelmäßigen Perspektivenwechseln und einem gut durchdachten Puzzlespiel liegt. Denn je weiter die Ermittlungen voranschreiten und je mehr man erfährt, desto weniger paßt alles zusammen. Die Spannung kommt nicht zu kurz, auch wenn es sich hier weniger um den Schreck handelt, der einem das Herz stillstehen lässt, sondern mehr um den Schauer, der immer wieder den Rücken hinabläuft, bei der Vorstellung, was geschehen ist, wird oder könnte.

Schade fand ich nur, dass ich relativ früh einen konkreten Verdacht hatte, der sich dann leider auch bestätigt hat, werde ich doch lieber von der Identität des Mörders überrascht.

Insgesamt ist "Bald stirbst auch du" ein unterhaltsamer, spannender und den Kopf beschäftigender Thriller mit guten Protagonisten und viel Kopfkino. Ich persönlich werde meine Wissenslücken schließen und das Lesen des zweiten und dritten Bandes nachholen.

Karen Sander
"Bald stirbst auch du"
ISBN: 978-3-499-27255-4
erschienen bei Rowohlt

[Rezension] E. M. Tippett - In guten wie in schlechten Zeiten

Kurzbeschreibung:
"Chloe hat alles: Sie führt eine glückliche Ehe mit Hollywood-Superstar Jason Vanderholt, ihr erstes gemeinsames Kind ist unterwegs und bald steht die Hochzeit ihrer besten Freundin Lori an, bei der sie die Trauzeugin sein wird. Die Belastungen der vergangenen Jahre liegen hinter ihr ... beinahe.

Denn Chris Winters, Chloes Halbbruder, der immer noch auf freiem Fuß ist, obwohl er der Hauptverdächtige in einem Doppelmord ist. Die Polizei hat nicht genug Beweise, um ihn zu überführen, aber Chloe ist sich sicher, dass er es war. Schließlich hat er auch versucht, sie umzubringen, als sie noch ein Kind war. Als Chris anfängt, Lori zu verfolgen, ist Chloe außer sich und setzt alles daran, ihn ein für alle Mal hinter Gitter zu bringen. Sie hat das beste Sicherheitsteam, das man für Geld bekommen kann und trotzdem hat sie das Gefühl, dass ihnen etwas entgeht - und Fehler können in diesem Geschäft tödlich sein. Doch je gründlicher sie nachforscht, desto weniger passen die Puzzleteile zusammen.

Chloe bleiben nur wenige Wochen, um herauszubekommen, wie sie ihre beste Freundin schützen, die Hochzeit vor einer Katastrophe bewahren und Chris zurück ins Gefängnis schicken kann. Sie muss das Rätsel unbedingt lösen, bevor er erneut zuschlägt."

Fazit:
"In guten wie in schlechten Zeiten" ist bereits der fünfte Teil der "Nicht mein Märchen" - Reihe von E. M. Tippett, dennoch wird es nie langweilig. Das liegt vor allem an der Vielfältigkeit der Autorin: Ginge es immer nur um Chloe und Jason, wäre es irgendwann langweilig. So haben wir natürlich im ersten Band verfolgt, wie sie sich kennenlernen, haben im späteren Verlauf Zeit im Filmbusiness verbracht, oder auch Chloe bei ihrem Job in der Spurensicherung begleitet. Diesmal dreht sich alles wieder um den eher privaten Bereich, denn Lori will heiraten. Eigentlich kein Problem, wenn man nicht gerade Chloe zur besten Freundin hat und dadurch zur Zielscheibe wird...

Der Lesefluss ist sehr gut, der gewohnt humorige Schreibstil und die kurzen Kapitel sorgen dafür, dass keine Langatmigkeit aufkommt. Die Verwicklungen, in die Choe immer wieder stolpert, sind diesmal nicht nur unterhaltsam und amüsant, sondern teilweise brisant und gefährlich, sodass man praktisch durch das Buch fliegt - denn auch der Leser möchte des Rätsels Lösung erfahren!

"In guten wie in schlechten Zeiten" zeigt einmal mehr, dass E. M. Tippett mit Chloe eine Protagonistin geschaffen hat, die immer neue Überraschungen bereit hält und allein durch ihre Existenz immer wieder in verfahrene Situationen gerät.

E. M. Tippett
"In guten wie in schlechten Zeiten"

[Rezension] Nacho Figueras - Die Wellington Saga - Verlangen

Kurzbeschreibung:
"Antonia, die umwerfend schöne und uneheliche Tochter des berühmten Carlos Del Campo, war schon immer die Außenseiterin der Familie. Auch ihr großes Talent im Umgang mit Pferden half ihr bislang nicht, den Respekt des Del-Campo-Clans zu erlangen. Nur bei Enzo findet sie Geborgenheit, ausgerechnet bei einem Mann, der nicht in die glamouröse Welt der Del Campos zu passen scheint. Doch gerade, als die beiden dazu bereit sind, sich aufeinander einzulassen, bedroht Antonias Vergangenheit ihr neugewonnenes Glück..."

Fazit:
"Verlangen" ist der dritte Teil der "Wellington Saga" und somit der Abschluß der Trilogie. Standen in den ersten beiden Büchern die Del Campo - Söhne im Vordergrund, lernen wir nun Antonia, oder Noni, wie sie genant wird, besser kennen.

Auch hier ist der Klappentext etwas ungenau, vermittelt er doch, dass sie von der gesamten Familie abgelehnt wird. Dies ist nicht der Fall, ihre Brüder stehen zu ihr und akzeptieren sie als vollwertige Schwester. Schwer tut sich allerdings Pilar Del Campo, was nicht weiter verwunderlich ist, steht ihr mit Noni doch jedes Mal der Ehebruch ihres Mannes vor Augen.

Durch diese Verflechtung kommt Pilar in diesem Buch wieder eine größere Bedeutung zu, was ich im zweiten Band vermisst habe, ist sie doch ein sehr interessanter Charakter.

Natürlich hat Nacho Figueras das Rad nicht neu erfunden: Der Stil des Buches folgt den ersten beiden Bänden und bereits nach wenigen Seiten weiß man, dass Noni und Enzo am Ende glücklich sein werden. Aber genau das ist es ja, was einen Liebesroman so schön macht: Man weiß von vornherein, dass es gut ausgehen wird und dieses Wissen trägt einen durch die Winkelzüge des Plots.

Der Lesefluss ist durchweg gut und zum Ende hin wird es sogar richtig spannend. Da Noni in einer vollkommen anderen Umgebung aufgewachsen ist und ihre Vergangenheit Stück für Stück zum Thema wird, wiederholt sich auch nicht dieselbe Geschichte wie in den Vorgängerbänden.

Mit "Die Wellington Saga - Verlangen" hat Nacho Figueras seine Trilogie zu einem würdigen Abschluß gebracht: unterhaltsame Liebeslektüre mit sympathischen, wenn auch mitunter schwierigen Charakteren und gerade genug Kitsch, um sich wohlig zurückzulehnen und hineinfallen zu lassen, aber nicht so viel, dass es unangenehm wird.

Nacho Figueras
"Die Wellington Saga - Verlangen"
ISBN: 978-3-7341-0374-2
erschienen bei Blanvalet

Dienstag, 3. Oktober 2017

[Rezension] Cara Lindon - Herbstfunkeln

Kurzbeschreibung:
"Mann weg, Job weg, Wohnung weg - kurz vor ihrem 30. Geburtstag hat Alys alles verloren. Zutiefst unglücklich kehrt sie zurück ins romantische Cornwall, ins Haus ihrer Großmutter. Mit Schokolade, Büchern und ihren besten Freundinnen versucht sie sich zu trösten, aber das Leben erscheint ihr leer.
Um nicht mehr so allein zu sein, adoptiert sie Mr. Cat, einen missmutigen Kater aus dem Tierheim. Gerade hat Als sich mit ihrem Dasein als einsame Katzenfrau abgefunden, da treten gleich zwei Männer in ihr Leben.
Der sympathische Jory, der mit Alys lachen kann, und der erfolgreiche Daveth mit den stahlgrauen Augen, der sie verwöhnt. Nun muss Alys sich entscheiden: Kann sie ihrem Herz vertrauen oder steht ihre Vergangenheit ihrem Glück im Weg?"

Fazit:
"Herbstfunkeln" ist der erste Teil der "Cornwall Seasons" von Cara Lindon, die sich um das Kleeblatt Alys, Bree und Chesten drehen. In "Herbstfunkeln" steht Alys im Vordergrund: Konnte sie es nach dem Schulabschluss kaum erwarten, das ländliche Cornwall gegen die Metropole London einzutauschen, flüchtet sie sich nach diversen Schicksalschlägen nun zurück in das Cottage ihrer verstorbenen Großmutter.

Cornwall als Handlungsort liebe ich bereits, seit ich vor Jahrzehnten die Rosamunde Pilcher - Bücher meiner Mutter gelesen habe. Natürlich gehört immer eine Liebesgeschichte in diese Umgebung, allerdings würde ich "Herbstfunkeln" nicht auf diese reduzieren wollen. Denn natürlich hofft Alys, doch noch den Mann ihres Lebens zu finden, aber im Verlauf der Handlung geht es auch darum, wie Alys generell ihr Leben weiterführen will. Dies hat die Autorin sehr realistisch und feinfühlig umgesetzt.

Cara Lindon ist das Pseudonym einer Schriftstellerin, die bereits einige erfolgreiche Bücher geschrieben hat. Und wer sie kennt, weiß, dass es in keiner ihrer Geschichten an einem einflussnehmenden Kater fehlen darf! Mr. Cat würde es ich auch keineswegs verbieten lassen, seinen Einfluss geltend zu machen, dürfte doch "Grumpy Cat" für ihn Pate gestanden haben - wunderbar, wie Cara Lindon ihn real erscheinen lässt und niemand sollte an der Menschenkenntnis eines Katers zweifeln!

Der Lesefluss ist sehr gut, die drei Freundinnen so unterschiedlich, dass sie wahrscheinlich genau deshalb so gut miteinander harmonieren und jede auf ihre Art einfach zum ins-Herz-schließen. Neben Alys' Geschichte bekommt man auch immer ein wenig vom Leben ihrer Freundinnen Bree und Chesten mit, sodass ich schon jetzt sehr gespannt auf die Fortsetzung der "Cornwall Seasons" bin.

"Herbstfunkeln" ist ein Roman, der unterhält, aber auch ans Herz geht, der schmunzeln, aber auch seufzen lässt und all das in der perfekten Kulisse von Cornwall.

Cara Lindon
"Herbstfunkeln"
nähere Informationen zur Autorin und den "Cornwall Seasons" findet ihr hier

[Rezension] Antonia Hodgson - Das Sündenhaus

Kurzbeschreibung:
"Frühjahr 1728. Auf eine "Bitte" von Englands Queen Caroline reist Tom Hawkins, mit allen Wasser gewaschener Gentleman, zum Anwesen von John Aislabie in Yorkshire. Die ländliche Idylle entpuppt sich schnell als Hexenkessel: Aislabie, der ehemalige Schatzkanzler, erpresst die Königin und erhält seinerseits zunehmend blutigere Drohbriefe... Ehe Tom es sich versieht, gerät er zwischen alle Fronten und mitten hinein in einen mörderischen Racheplan."

Fazit:
Mir waren bislang sowohl die Autorin, als auch das Buch unbekannt. Aber der Klappentext sprach mich an, klang er doch noch der Mischung meiner beiden Lieblingsgenres.

Historisch ist das Buch auch in jedem Fall, spielt die Handlung doch im 18. Jahrhundert in England und ist sowohl in Sprache als auch in historischem Kontext der Zeit angepaßt. Antonia Hodgson hat hier eine wunderbare Mischung aus historischen Personen und Fiktion geschaffen, die durchaus interessant ist. Im Anhang lässt sich auch für weniger geschichtsbewanderte Leser nachlesen, was nun wahr und was erdacht war.

Nun gut, "historischer Thriller" mag eine etwas irreführende Bezeichnung sein, aber da sich vielfach beim Thriller auf die persönliche Bedrohung der ermittelnden Person berufen wird, kann man nicht sagen, dass sie falsch wäre. Ich erwarte bei einem Thriller einiges mehr an Spannung, sonst müsste man auch Miss Marples und Hercule Poirots Abenteuer als "historische Thriller" bezeichnen.

Davon abgesehen, gelangt man bereits auf den ersten Seiten mitten hinein ins Geschehen. Unser Hauptprotagonist Tom Hawkins verfügt über ein gutes Maß an Galgenhumor - umso mehr, als er selbst bereits Bekanntschaft mit einem Galgen gemacht hat. Noch bevor wir dem Rätsel auch nur annähernd auf die Spur kommen, wird man bereits sehr neugierig auf die vorhergehenden Bücher. Denn auch, dass es sich bei "Das Sündenhaus" um den dritten Teil einer Reihe handelt, wusste ich vorab nicht. Allerdings lässt sich das Buch problemlos ohne Vorkenntnis lesen, hinterher allerdings wird man auch die anderen Bücher lesen wollen.

Denn der Lesefluss ist sehr gut, die Protagonisten sehr bildhaft gezeichnet, kaum eine menschliche Schwäche, die nicht irgendwo vertreten ist. Insgesamt hat man eine sehr interessante Mischung unterschiedlicher Typen, die sich dort auf dem Landsitz des ehemaligen Schatzkanzlers versammelt.
Die Handlung selbst ist sehr interessant und mitreißend, man rätselt mit Tom, wartet aber gleichzeitig auf immer neue Katastrophen. So oder so - von Langeweile kann keine Rede sein. Trotz des mit Tom einhergehenden humorvollen Blickwinkels, ist die Handlung bzw. sind die Hinter- und Beweggründe durchaus ernsthaft und keineswegs leicht abzutun.

"Das Sündenhaus" von Antonia Hodgson ist ein sehr unterhaltsamer Ausflug ins englische Landleben des 18. Jahrhunderts, dessen besonderer Reiz im Gegensatz von Toms Wesen und den ernsthaften Vorkommnissen liegt.
Auch die ersten beiden Bücher der Reihe "Das Teufelsloch" und "Der Galgenvogel" werde ich mit Sicherheit noch lesen.

Antonia Hodgson 
"Das Sündenhaus"
ISBN: 978-3-426-65440-8
erschienen bei Droemer Knaur